Befördert wird man, weil man fachlich gut war. Aber Führung ist eine andere Disziplin. Und laut aktueller Forschung kämpfen die meisten neuen Führungskräfte still und alleine. [1]
Was dann passiert
Was dann passiert, ist menschlich und nachvollziehbar. Wer ruhig ist, denkt er muss lauter werden. Wer direkt ist, denkt er muss zugänglicher werden. Also verbiegt man sich. Spielt eine Version von sich, von der man glaubt, sie wird erwartet. Das funktioniert eine Weile. Und dann zehrt es.
Aber es gibt noch ein zweites Problem, das weniger besprochen wird. Wer zu lange sondiert, zu lange schaut wie der Hase läuft, der überlässt das Feld anderen. Skeptische Menschen im Team füllen das Vakuum. Mit Vermutungen. Manchmal auch hinter vorgehaltener Hand.
Zeig also frühzeitig, wer du bist. Nicht als Ansage. Als Gespräch.
Kläre deinen Rahmen früh
Kläre zuerst mit deinem Vorgesetzten, was deine Rolle wirklich bedeutet. Nicht irgendwann. Zeitnah. Was ist dein Budget, wie weit gehen deine Befugnisse, was erwartet er von dir in den ersten 90 Tagen.
Viele neue Führungskräfte übernehmen eine Rolle, ohne diese Fragen je gestellt zu haben. Dann wundern sie sich, warum sie sich ständig im Ungefähren bewegen. Das Gespräch ist keine Schwäche. Es ist Klarheit. Für beide Seiten.
Suche dir Vorbilder, keine Kopiervorlagen
Such dir Menschen aus deinem Umfeld, die Führungserfahrung haben. Nicht einen. Möglichst viele und möglichst unterschiedliche. Es geht nicht darum, den ersten zu kopieren. Es geht darum, eine breite Palette an Erfahrungen zu sammeln und dir deine Goldstücke herauszunehmen.
Jede Führungskraft hat einen anderen Weg gemacht. In der Summe dieser Wege findest du deinen eigenen.
Was kaum jemand offen anspricht
Ich habe Führungskräfte beobachtet, fachlich top, menschlich stark. Und trotzdem zehrte die Rolle sie auf. Schlechter Schlaf, weniger Geduld, das Gefühl, nie wirklich abschalten zu können.
Was fehlte, war nicht Kompetenz. Es fehlte der Austausch. Die meisten dachten: Das muss ich jetzt alleine hinbekommen, sonst tauge ich als Führungskraft nichts. Das ist eine Lüge, die viele glauben.
Laut Gallup Engagement Index Deutschland 2025 sind 77 Prozent der deutschen Beschäftigten ihrem Arbeitgeber nur gering verbunden, und nur 10 Prozent sind emotional hoch gebunden. [1] Ein großer Teil davon hat direkt mit fehlender Führungsbegleitung zu tun.
Was du heute tun kannst
Einen Termin mit deinem Vorgesetzten anfragen. Eine Person aus deinem Netzwerk anschreiben, die Führungserfahrung hat. Und ehrlich mit dir sein: Trägst du die Rolle, oder trägt die Rolle dich?
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Quellen
[1] Gallup Engagement Index Deutschland 2024 (veröffentlicht März 2025). Personalwirtschaft.https://www.personalwirtschaft.de/news/hr-organisation/emotionale-mitarbeiterbindung-erreicht-erneut-tiefstand-189069/
